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Samstag, 11. März 2017

249

Noch ein kurzer Gedanke zu Weber: Wenn er sagt, der Einfall ersetze nicht die Arbeit, dann gilt dieser Satz wohl auch (oder noch viel mehr) umgekehrt. Keine Arbeit kann den Einfall, die Intuition ersetzen. Die geistes- und sozialwissenschaftliche Wissenschafts- und Publikationsindustrie der Gegenwart ich zweifellos beeindruckend. Aber sie ist auch erschreckend einfallslos, intuitionslos.

Donnerstag, 9. März 2017

248

Eine typisch pubertäre Reaktion auf eine unbequeme Entscheidungs- und Handlungszumutung: übertreibende und verzerrende Verallgemeinerung der Zumutung. Absicht: Entscheidungs- und Handlungsvermeidung.

Mittwoch, 8. März 2017

247

Mit Wilhelm Hennis habe ich mich gestern noch einmal der Fragestellung Max Webers angenähert. Ich halte es für sinnvoll, zwischen Annahme und Frage zu unterscheiden. Ein Versuch.

246

Rückblickend, analysierend, diagnostizierend ist meine Dissertation ein entscheidender Schritt heraus aus meiner religiösen Herkunft hinein in die säkulare Moderne. Das Buch ist Ergebnis eines sich selbst säkularisierenden Denkens, wobei an diesem Denken unverkennbar große kantische und auch noch offenbarungspositivistische Eierschalen kleben.
Nach meiner Dissertation ist es mir dann nicht gelungen, mich im säkularen Denken bequem einzurichten. Nur wenig später hat mich die Auseinandersetzung mit Bonhoeffers Religionslosigkeit (mit guten Gründen könnte ich auch formulieren: das unverfügbare Ereignis einer existenziellen Auseinandersetzung mit Bonhoeffer) aus dem Sessel der Säkularität herausgerissen und in die Offenheit einer bislang unbestimmten Postsäkularität gehängt. In dieser Offenheit habe ich dann nicht zuletzt die kantischen und offenbarungspositivistischen Eierschalen verloren.

245

Mein Unbehagen in der Kultur ist weniger trieb- oder instinktbedingt (Freud). Als Triebwesen bin ich durchaus auch, vielleicht sogar überwiegend Kulturwesen. Mein Unbehagen in und an der Kultur gründet in meiner Interpretation (Glaube), ist reservativ begründet. Meine Kritik der Kultur steht damit nicht im Dienst des Triebs, sondern im Dienst reservativen Lebens.

Dienstag, 7. März 2017

244

Gestern bin ich in den Vorbemerkungen zur Protestantischen Ethik noch einmal über Max Webers Kritik des wissenschaftlichen Dilettantismus gestolpert.

Montag, 6. März 2017

243

Am vergangenen Samstag im Münchener Gasteig: Hauptprobe für das Luther-Oratorium am 18. März 2017 in der Olympiahalle. Gegen Ende ein kurzer und doch allzu langer Auftritt von Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern und Ratsvorsitzender der EKD.

242

Wem die Wirklichkeit nicht zu einer bedrängenden Frage wird, zu einer Frage, die sich nicht beantworten lässt, dem bleibt der Zugang zu reservativem Denken und Leben verschlossen.

Sonntag, 5. März 2017

241

In Berlin, so lässt sich heute im SPIEGEL lesen, sei es jetzt hip, sich polyamor zu nennen. Die säkulare Emanzipationsbewegung frisst ihre Kinder. Polyamorie – ein eindrückliches und repräsentatives Phänomen dafür, dass das Menschenrecht gerade als gelebte Realität nichts anderes hervorbringt als einen Zustand unregulierter und zunehmend unregulierbarer Instinktbedingtheit, also einen Zustand, der nur noch einen Fußbreit entfernt ist vom Übertritt in einen realen Krieg aller gegen alle. In der Menschenrechtsidee ist der Keim der Selbstunterwanderung bereits angelegt.

240

Es hilft vielleicht, wenn noch einmal nach dem paulinischen Motiv gefragt wird: Warum ist Paulus so sehr daran interessiert, sein Evangelium, seine Interpretation vom Sieg des Messias über die Weltwirklichkeit unter die Leute zu bringen?