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Sonntag, 19. April 2026

1204

In den vergangenen Wochen habe ich jede freie, aber auch jede unfreie Minute darauf verwendet, einen neuen Ansatz zu entwickeln. Ergebnis ist der Entwurf einer Ethik für Soldaten im Gefecht, einer Taktischen Kriegsethik (TKE). Dieser Entwurf müht sich nicht mehr darum, die traditionellen Ethiken der Tugend, der Pflicht oder des Nutzens im taktischen Raum zu verorten. Diese können und dürfen hier schlechtweg keinen Ort haben. Formal greife ich ausdrücklich auf Max Webers Vorbereitung einer Ethik der Gewalthandhabung, auf seine Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik zurück. Inhaltlich arbeite ich, ohne dies offen zu legen, im Anschluss an Jacques Derrida mit einer messianischen Begründungsstruktur, verorte mitten im Krieg eine Art dekonstruktiven Messianismus. Militärische Gewalt wird begründet und reguliert als Mittel zur Wahrung einer kommenden Möglichkeit, einer Möglichkeit im Kommen. Dieser Ansatz untergräbt alles, was sich bislang Militärethik nennt.
In den nächsten Tagen wende ich mich mit dem Entwurf an eine begrenzte, multidisziplinäre Öffentlichkeit ausgewählter Experten. Hier erwarte ich nach ersten Vorgesprächen große Offenheit und Unterstützung, vor allem aus dem Bereich der Kampftruppen. Die nächsten Schritte werden deutlich schwieriger, das etablierte militärische und politische System wird sich zur Wehr setzen. Ich bin sehr gespannt, wann und wo die Reise des Projekts enden wird.

Sonntag, 22. März 2026

1203

Das Wirkliche ist das ontisch Böse. Mit dieser Setzung ist jede Moral entmachtet.

1202

Wer nicht differenziert, der interpretiert im totalitären Schema.

1201

Zum Tod von Jürgen Habermas – angesichts der nostalgischen, teils sehnsüchtigen Gestimmtheit in den Feuilletons: Der 14. März 2026 markiert das Ende einer Epoche. Das unvermeidliche und notwendige Ende. Dem Ende der großen Erzählungen folgt das Ende der großen Erzähler. Das unvermeidliche und notwendige Ende.

Samstag, 7. März 2026

1200

Die messianische Haltung: klesische Äquidistanz zu allem Wirklichen.

1199

Das, was wir Leben nennen, ist kontingent und flüchtig. Es ist ungeschickt und unzuträglich, das Leben in seiner Eigenart durch törichte Entscheidungen zu bestärken.

Mittwoch, 25. Februar 2026

1198

Bücher waren und sind für mich immer so etwas wie Leitern. Sobald sie ihren Dienst verrichtet haben, lege ich sie beiseite. Ich benötige sie dann nicht mehr (siehe Nr. 461). Daher ist mein Bücherbestand auch überschaubar. Und die Bücher, die ich habe, habe ich allenfalls aus nostalgischen oder anderen, sachfremden Gründen. Das bedeutet auch: Mittlerweile lese ich nur noch Bücher, die sich unmittelbar als Leiter aufdrängen.


1197

Die subtile Pointe des Bilderverbots, des Verbots religiöser oder metaphysischer Fiktionen: Es verhindert zugleich die Flucht aus und vor dem Wirklichen. Das Bilderverbot nötigt dazu, sich dem Wirklichen unverstellt zu stellen.


Sonntag, 15. Februar 2026

1196

Gewalt als Beruf: Mit der Legitimität des Zweckes ist nicht zugleich die Legitimität des notwendigen Mittels festgestellt. Zumindest nicht in der Wahrnehmung dessen, der von diesen Mitteln Gebrauch machen muss. Der Soldat als Instrument der Gewaltsamkeit, der Soldat als legitimierter Gewalttäter wird von den üblichen Erzählungen unserer politischen Philosophien und Ethiken nicht erreicht. Er schwebt in einer legitimatorischen Aporie. Damit ist er gefährdend und gefährdet zugleich.

Sonntag, 25. Januar 2026

1195

Nun habe ich mir einen Eindruck verschafft vom Störungsbild der Moralischen Verletzung vor allem im militärischen Kontext, vor diesem Hintergrund dann mein Verständnis moralischer Resilienz näher bestimmt und die grundsätzliche Vorstellung eines entsprechenden moralphilosophischen, näherhin ethischen Beitrages entwickelt. Dabei lag es nahe, weiter zu konkretisieren, was ich selbst im Raum des Begriffs Ethik eigentlich vertrete.