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Donnerstag, 20. August 2026

1223

Ein christliches Gebet: Gott, gib mir die Gnade, mit Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die sich nicht ändern lassen, den Mut, Dinge zu ändern, die geändert werden sollten, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ein messianisches Gebet: Mein Glaube bewirke in mir die Einsicht, dass ich Wirkliches nicht befehlen kann, die Freiheit, mir vom Wirklichen nicht befehlen zu lassen, und die Wachsamkeit, weder meiner Einsicht noch meiner Freiheit auf den Leim zu gehen.

Sonntag, 16. August 2026

1222

Unsere Ängste sind letztlich Bemühungen des – allzu oft in Menschengestalt auftretenden – Wirklichen, uns Befehle zu erteilen. Befehle, denen wir uns nur selten entziehen können oder wollen – und wenn doch, dann allenfalls unzureichend und immer bloß flüchtig. Wer messianisch lebt, der lässt davon ab, den Befehlen des Wirklichen zu folgen. Der lässt ab von Ängsten, insbesondere von jenen, die durch Menschen ausgelöst werden.

Sonntag, 9. August 2026

1221

Unsere Erwartungen sind letztlich Bemühungen darum, dem Wirklichen – allzu oft in Menschengestalt – Befehle zu erteilen. Befehle, die das Wirkliche nur selten befolgen kann oder will – und wenn doch, dann allenfalls unzureichend und immer bloß flüchtig. Wer messianisch lebt, der lässt davon ab, dem Wirklichen Befehle zu erteilen. Der lässt ab von Erwartungen, insbesondere von jenen, die sich an Menschen richten.

1220

Man muss es aushalten können und wollen, messianisch innezuhalten. Beides, Können und Wollen, fehlt unserer Kultur. Deshalb sind wir Christen.

Donnerstag, 16. Juli 2026

1219

Die Flucht ins unmittelbar Augenscheinliche ist nichts anderes als eben dies: Flucht.

1218

Zu Nr. 1213, 1211, 1204: Ich habe noch einmal zu bestimmen versucht, was ich unter dem Begriff der Taktischen Kriegsethik eigentlich entwickelt habe. Es wäre wohl treffend, diesen Entwurf als Surrogat zu bezeichnen, als positives Surrogat des messianischen als ob nicht. Mit diesem Surrogat gehe ich interpretatorisch zurück an die Grenze des mir selbst noch Zumutbaren. Aber jenen, denen ich damit etwas zu eröffnen versuche, komme ich längst nicht weit genug entgegen.

1217

Philosophieren, sich interpretierend über das Wirkliche orientieren, heißt nicht: sterben lernen. Es heißt: des Wirklichen als des Gestorbenen gewahr werden und als Gestorbene im Gestorbenen leben lernen.

Mittwoch, 15. Juli 2026

1216

Man kann nicht zwei Herren zugleich dienen (Mt 6,26). Auch dieser Satz darf nicht moralisch, muss vielmehr ontologisch interpretiert und aktiviert werden.

Dienstag, 14. Juli 2026

1215

Rückblick auf die vergangenen Monate. Warum ich derzeit den messianischen Gedanken nicht weiterdenken kann. Warum mir die messianischen Worte fehlen.

Donnerstag, 9. Juli 2026

1214

Gedanke beim Besuch eines kleinen, aber feinen Museums für moderne Kunst: Wer aus der Zeit fällt, der wird unzeitgemäß. Der bleibt hinter seiner Zeit zurück oder ist seiner Zeit voraus. Was aber wird, wer aus der Wirklichkeit fällt? Unwirklichkeitsgemäß?