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Donnerstag, 16. Juli 2026

1219

Die Flucht ins unmittelbar Augenscheinliche ist nichts anderes als eben dies: Flucht.

1218

Zu Nr. 1213, 1211, 1204: Ich habe noch einmal zu bestimmen versucht, was ich unter dem Begriff der Taktischen Kriegsethik eigentlich entwickelt habe. Es wäre wohl treffend, diesen Entwurf als Surrogat zu bezeichnen, als positives Surrogat des messianischen als ob nicht. Mit diesem Surrogat gehe ich interpretatorisch zurück an die Grenze des mir selbst noch Zumutbaren. Aber jenen, denen ich damit etwas zu eröffnen versuche, komme ich längst nicht weit genug entgegen.

1217

Philosophieren, sich interpretierend über das Wirkliche orientieren, heißt nicht: sterben lernen. Es heißt: des Wirklichen als des Gestorbenen gewahr werden und als Gestorbene im Gestorbenen leben lernen.

Mittwoch, 15. Juli 2026

1216

Man kann nicht zwei Herren zugleich dienen (Mt 6,26). Auch dieser Satz darf nicht moralisch, muss vielmehr ontologisch interpretiert und aktiviert werden.

Dienstag, 14. Juli 2026

1215

Rückblick auf die vergangenen Monate. Warum ich derzeit den messianischen Gedanken nicht weiterdenken kann. Warum mir die messianischen Worte fehlen.

Donnerstag, 9. Juli 2026

1214

Gedanke beim Besuch eines kleinen, aber feinen Museums für moderne Kunst: Wer aus der Zeit fällt, der wird unzeitgemäß. Der bleibt hinter seiner Zeit zurück oder ist seiner Zeit voraus. Was aber wird, wer aus der Wirklichkeit fällt? Unwirklichkeitsgemäß?

Mittwoch, 17. Juni 2026

1213

Zu Nr. 1211: Ethik im üblichen Verstande des Begriffs ist aus der Perspektive meines eigenen Denkens immer eine Form der Wiederverzauberung des Wirklichen. So gesehen kann ich selbst keine Ethik entwickeln oder vertreten, so gesehen bin ich dankbar, wenn ich nicht mit irgendeiner Ethik in Verbindung gebracht werden.
Wenn mir nun dessen ungeachtet eine Ethik abverlangt wird, so nötigt man mich damit zu einem durchaus spannenden, spannungsreichen Entgegenkommen. Nach reiflicher Überlegung, erscheint mir dieses Entgegenkommen unter drei Bedingungen als noch zumutbar: Zunächst begreife ich Ethik (negativ) als kritisch-distanzierende Reflexion aller möglichen Sollensansprüche. Dann gebe ich Ethik die Form der Verantwortung im Sinne Max Webers, setze dabei zugleich Webers Wirklichkeitsverständnis voraus. Und schließlich fülle ich Ethik mit der Substanz eines dekonstruktiven Messianismus im Sinne Jacques Derridas, aktiviere und reguliere alles Wollen und Handeln also durch ein immer im Kommen Begriffenes, durch ein nie und nirgendwo Gegenwärtiges.
Zugegeben: Diese Bedingungen befriedigen das Bedürfnis, das sich in Ethik Ausdruck verschafft, nur unzureichend und scheinen insofern zu überfordern. Mit ihnen gehe ich jedoch an die Grenze der Redlichkeit. Und natürlich auch an die Grenze dessen, was mir gerade noch verantwortbar erscheint.

Donnerstag, 4. Juni 2026

1212

Und jedem Anfang wohnt eine Verführung inne, die uns betrügt und die uns hindert, frei zu sein.

Sonntag, 31. Mai 2026

1211

Zu Nr. 1204: Das Projekt hat noch nicht einmal die erste institutionelle Hürde genommen. Man hat es aufgehalten, weil angesichts der Radikalität des Ansatzes zu viel auf dem Spiel steht, vor allem zu viel von dem, was geworden, gewohnt und dadurch geheiligt ist. Aber natürlich auch persönliche, militärische und politische Beziehungen und Karrieren.
Der unmittelbare Widerstand des Systems war erwartbar, ist durchaus amüsant, im Blick auf die Sache und die betroffenen Menschen in Uniform aber natürlich tragisch.
Das Projekt ist tot, der Gedanke aber wohl nicht. Er hat zumindest das Potenzial, sich subversiv zu verselbständigen.

1210

Unsere Sprachspiele sind nicht deshalb belanglos, weil sie nicht mehr sind als das, was sie sind: Sprachspiele. Sie sind alles, was wir haben. Und sie haben Wirkungen. Daher müssen wir sie spielen, und dies mit Bedacht. Wir müssen bedenken, welche Sprachspiele wir überhaupt noch intellektuell redlich spielen können, und wir müssen bedenken, welche Folgen sie absehbar haben.