Dienstag, 18. Dezember 2018
426
Ein kurzer Gedanke zur (möglichen) reservativen Kritik hetero-, homo- oder anderssexueller Bestimmtheit und Praxis.
425
Von jeder ideologischen oder moralischen, auch von jeder politischen und sozialen Gültigkeit, die sich kulturell durchgesetzt hat oder durchzusetzen beginnt, gilt es kritisch Abstand zu nehmen und zu wahren. Weil sich hinter allem, was kulturelle Gültigkeit wird, immer auch zur Absolutheit strebende Mächte verbergen, denen kulturelle Gültigkeiten auf irgendeine Weise nützlich sind. Die sich verabsolutierenden Mächte können personaler oder systemischer Natur sein. Kulturelle Gültigkeiten dienen der Ermächtigung und Machtsicherung von Einzelnen, Gruppen oder Systemen.
Dienstag, 11. Dezember 2018
424
Entdeckung des Tages – heute von meiner Frau, mitgebracht aus der Münchener U-Bahn: Inzwischen gehören wir zu einer Generation, die in öffentlichen Verkehrsmitteln nur noch für einen sehr kleinen Kreis möglicher Kandidaten aus Gründen der Höflichkeit den Platz räumen muss. Manche kulturellen, sozialen, moralischen Ansprüche lassen mit zunehmendem Alter nach. Cool.
Mittwoch, 5. Dezember 2018
423
Hatte kürzlich die Druckfahnen des Jahrbuchs Innere Führung 2018 auf dem Tisch – es erscheint in den nächsten Tagen. Darin meine Kritik an Uwe Hartmanns Der gute Soldat, (aus der Reihe "Standpunkte und Orientierungen" des Miles-Verlages), zugleich auch eine pointierte Antikritik des von mir sehr geschätzten Historikers Klaus Naumann.
Montag, 26. November 2018
422
Bohemian Rhapsody angeschaut. Mit gutem Grund hatte ich angenommen, mich diesem Film alleine stellen und ohne Begleitung ins Kino gehen zu müssen. Ich war davon ausgegangen, dass der Film manches aufwühlen würde. Und so war es dann auch.
Donnerstag, 22. November 2018
421
Ein Freund schickt mir eines dieser viralen WhatsApp-Videos: Zehn Teilnehmer eines Seminars stehen in einem kleinen Raum im Halbkreis, im Hintergrund an der Wand hängt ein großes Kreuz. Der Leiter der Gruppe fordert einen jungen Mann dazu auf, sich in die Mitte auf einen Stuhl zu stellen und die Augen zu schließen. Mit sonorer Stimme und beruhigenden Worten erklärt er, es gehe bei der folgenden Übung um Vertrauen. Er werde gleich bis drei zählen, und dann solle sich der Mann einfach fallen lassen. Die Gruppe werde ihn auffangen.
Die Gruppe tritt hinter dem Mann zusammen, streckt die Arme aus, um eine sichere und weiche Landung vorzubereiten. Der Gruppenleiter zählt bis drei, der junge Mann lässt sich fallen. Nach vorne. Panik in den Augen des Leiters. Sein Aufschrei und sein hektischer Sprung können nichts mehr retten. Der junge Mann schlägt ungebremst mit dem Gesicht voran auf den Boden.
Ein tragisch-komisches Video. Für mich spontan ein treffendes Symbol für das Vertrauen in die Verheißungen des religiösen, des sichtbaren Gottes. Wortreich verspricht dir dieser Gott, er werde da sein, wenn du ihn brauchst. Er werde dich auffangen, wenn du fällst. Du lässt dich blindlings fallen. Die Folge: Eine gebrochene Nase und zertrümmerte Zähne. Dein Fehler: Der religiöse, sichtbare Gott bindet seine Verheißung an die Erwartung, dass Du mit geschlossenen Augen in die richtige Richtung fällst. Und dabei verrät er Dir natürlich nicht, wo er gerade steht.
Mittwoch, 21. November 2018
420
Bildung ist Erschließung einer möglichst großen Vielfalt von Interpretationen, dann aber auch Aufklärung über die Ungültigkeit dieser Interpretationen. Unbildung verleitet manche dazu, lediglich die eigene Interpretation und diese auch noch als (einzig) gültige wahrzunehmen. Andere lässt Unbildung glauben, irgendwo da draußen unter den vielen unbekannten Interpretationen gebe es noch eine gültige. Dummheit und Hochmut gehen gut zusammen, Dummheit und Wankelmut aber auch. Reservativer Bildung dagegen entwachsen Demut und innere Stabilität.
Freitag, 16. November 2018
419
Eine Selbstentlastung (zu Nr. 154, 199, 365): Es muss keine neue Sprache erfunden werden, um reservativ denken und leben zu können.
Donnerstag, 15. November 2018
418
Es ist wahr, dass das Alter gelegentlich seine Müdigkeit und Schwäche mit Weisheit verwechselt. Es ist aber auch wahr, dass sich in Müdigkeit und Schwäche des Alters durchaus Weisheit verbirgt.
Dienstag, 6. November 2018
417
Vor dem Winter kleinere Reparaturen am Fahrrad. Und es kommt, wie es immer kommt: Ein Augenblick der Unachtsamkeit, der Schraubenschlüssel rutscht ab, die Fingerrücken streifen kurz über den rauen Teer, die kalte gespannte Haut reißt auf. Kleine Verletzungen, die merkwürdig stark bluten und deren Heilung eine Weile dauern wird.