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Mittwoch, 8. August 2018

404

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Versuch, sich selbst, wie man ist, zu handhaben, und dem Bemühen, aus sich selbst etwas zu machen, was man nicht ist.

403

Im Grunde genommen ist mein Denkweg nichts anderes als eine Auseinandersetzung mit der leitenden Hintergrundannahme des syllogismus practicus: Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Glaube (im Sinne einer Interpretation) und Wirklichkeit (heute würde ich sagen: zwischen Evangelium und Gesetz). Das Geglaubte ist repräsentabel. Dass in einer bestimmten Weise geglaubt wird, hat bestimmte repräsentative Wirklichkeitswirkungen. Diese Annahme ist jedoch ebenso falsch, wie der syllogismus practicus selbst.

Dienstag, 7. August 2018

402

Seit gestern liegt eine Neuerscheinung auf meinem Schreibtisch, ein schmales Büchlein, in dem sich verschiedene Disziplinen auf einen Diskurs mit Otfried Höffe einlassen. Höffes Replik auf meinen eigenen Beitrag, eine (unausgesprochen) reservativ begründete Kritik des repräsentativen Liberalismus, ist respektvoll, zeugt aber deutlich von Unverständnis. Seine Gegenrede erinnert mich an Kuhns Idee des Paradigmenwechsels: Zwei Rationalitäten, die aus zwei sich ausschließenden Paradigmen geboren sind, sind inkommensurabel. Jeder Austausch muss misslingen, läuft unvermeidlich ins Leere, weil man sich in gewissem Sinne gar nichts (mehr) zu sagen hat. Verständigung unmöglich. Umso wichtiger erscheint es mir, sich selbst der Gefahren einer Abschließung der eigenen Rationalität bewusst zu bleiben und den Zugang offen zu halten für die immanenten Logiken alternativer Sprachspiele.

Samstag, 4. August 2018

401

Wer an der Überwindung des Repräsentativen arbeitet, darf nicht erwarten, dass das Repräsentative ihn dafür repräsentativ entlohnt.

Mittwoch, 1. August 2018

400

Ein warmer Sommerabend, ein nettes Sommerfest am Sommerfeuer. Zwei Damen neben mir unterhalten sich über Authentizität. Sie sind sich einig und ganz eifrig darin, sich wechselseitig zu bestätigen: Es ist immer besser, authentisch zu sein, das in Wort und Tat zu äußern, was in einem ist, eben so zu sein, wie man ist. Das ist offen und ehrlich. Man verbiegt sich nicht, frisst nichts in sich hinein. Und die anderen wissen immer, was Sache ist.

Dienstag, 31. Juli 2018

399

Gut und Böse, Freiheit und Bindung, Liebe und Hass sind einander insofern gleich, als dass sie nicht universal bestimmt und bestimmbar sind. In ihren sichtbaren Äußerungen, in ihren Erscheinungen lassen sie sich daher bisweilen kaum voneinander unterscheiden: wenn sie dem Allgemeinen, dem Recht oder der Moral scheinbar Folge leisten, wenn sie Recht und Moral beugen, biegen oder auch brechen.
Und doch ist die Verschiedenheit von Gut und Böse, Freiheit und Bindung, Liebe und Hass eine totale ontologische Andersheit. Das Gute, das Freie, das Liebevolle ist das, was sich aus der Annahme der totalen Ungültigkeit aller Gültigkeiten im Hier und Jetzt als Einzelnes ereignet. Das Böse, das Gebundene, das Hassvolle ist dagegen das, was als Funktion einzelner Gültigkeiten unvermeidlich geschieht.
Falsch ist die Annahme, das Gute, das Freie, das Liebevolle lasse sich im Allgemeinen finden. Das Allgemeine formuliert bloß bestimmte Gültigkeiten als universale Gesetze. Das ist insofern verhängnisvoll, als dass so das Gute, die Freiheit, die Liebe als Ereignis des Einzelnen begrenzt, beengt, bedrängt wird. Und das ist insofern nutzlos, als dass das Böse, die Bindung, der Hass als Funktion einzelner Gültigkeiten nicht überwunden, sondern allenfalls notdürftig und immer bloß vorläufig kanalisiert wird.

Montag, 30. Juli 2018

398

In der Postagentur die übliche Kundenschlange, die Sommerhitze schlägt in dem kleinen Laden doppelt zu. Ich warte schon eine Weile, nun wird der Herr vor mir bedient. Er will Geld abheben, stellt jedoch laut seufzend, sich selbst hörbar beschimpfend fest, er habe versehentlich bloß die Bankkarte seiner Lebensgefährtin dabei. Er beantragt eine Notauszahlung. Formulare, Anrufe, Unterschriften. Es dauert.

Freitag, 27. Juli 2018

397

Aufgabe oder Abgabe. Das ist die Weggabelung des Lebens. Hier muss man sich selbst vielleicht noch einmal an einen wesentlichen Gehalt des reformatorischen sola erinnern: Das Werk, von dem wir hoffen, dass es unseres Beitrages bedarf, ist schon immer vollbracht. Der christlich begriffene Missionsbefehl ist ein fatales Missverständnis.

Mittwoch, 18. Juli 2018

396

Es gibt Zeiten, da kann man nicht anders, als sich über sich selbst zu täuschen. In diesen Zeiten bleibt man besser im Lande und nährt sich redlich.

395

Manche erreichen Ziele, andere kommen an ein Ende.