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Sonntag, 5. März 2017

241

In Berlin, so lässt sich heute im SPIEGEL lesen, sei es jetzt hip, sich polyamor zu nennen. Die säkulare Emanzipationsbewegung frisst ihre Kinder. Polyamorie – ein eindrückliches und repräsentatives Phänomen dafür, dass das Menschenrecht gerade als gelebte Realität nichts anderes hervorbringt als einen Zustand unregulierter und zunehmend unregulierbarer Instinktbedingtheit, also einen Zustand, der nur noch einen Fußbreit entfernt ist vom Übertritt in einen realen Krieg aller gegen alle. In der Menschenrechtsidee ist der Keim der Selbstunterwanderung bereits angelegt.

240

Es hilft vielleicht, wenn noch einmal nach dem paulinischen Motiv gefragt wird: Warum ist Paulus so sehr daran interessiert, sein Evangelium, seine Interpretation vom Sieg des Messias über die Weltwirklichkeit unter die Leute zu bringen?

239

Es ist befremdend und lächerlich zugleich, wenn das politische und religiöse (insbesondere das kirchliche) Establishment Reformation feiert. Es feiert mit der Reformation immer auch sich selbst und damit das, was dringend der Reformation bedürfte.

Freitag, 3. März 2017

238

Das deutsche Wissenschaftssystem zwingt im zunehmend funktionalistisch-ökonomistischen Modus des Fortschritts auch die sogenannten Geisteswissenschaften zu dem, was man Forschung nennt. Das System unterdrückt damit zugleich das Denken.

Donnerstag, 2. März 2017

237

Mit meinem Text zu einer möglichen Theologie der Matrix-Trilogie habe ich vor gut 10 Jahren angehoben, den Denkraum meiner religiös-metaphysischen Herkunft zu verlassen.

Freitag, 24. Februar 2017

236

Es liegt eine paulinische, marcionitische, reformatorische Aufgabe vor uns: die Aufgabe, den abrahamitischen (reservativen) Glauben aus der religiös-metaphysischen Gefangenschaft zu befreien, aus der Gefangenschaft jüdischer, griechischer, römischer Religion und Metaphysik, die im abendländischen Christentum zueinander finden und heute in säkularer Gestalt auftreten.

235

Botox ist eine Spätfolge des Christentums.

Donnerstag, 23. Februar 2017

234

Gestern Abend habe ich in der Freien evangelischen Gemeinde München Südost (Ottobrunn) einen Vortrag zur neuen philosophischen Paulusrezeption gehalten. In einer leicht gekürzten Fassung steht er hier als mp3 zum Download zur Verfügung (es öffnet sich ein neues Fenster, der Download beginnt in der Regel automatisch).

Sonntag, 19. Februar 2017

233

Leiden ist nicht nur eine Frage des Schmerzes, sondern auch eine Frage der Interpretation. Wir leiden auch, weil unsere Interpretation nach einer anderen Zeit und nach einem anderen Raum verlangt – jenseits des Hier und Jetzt. Leiden ist also immer auch die Sehnsucht nach Verantwortungslosigkeit, danach, von der Antwort auf das Hier und Jetzt los zu sein.

Samstag, 18. Februar 2017

232

Freiheit (relative Wirklichkeitsunabhängigkeit) lässt sich nicht finden. Freiheit ist ein Ereignis, das findet, das statt-findet, das seine Statt findet. Eine bittere Botschaft für jene, die Unfreiheit tragen und ertragen müssen. Gegen Unfreiheit gibt es kein Mittel.