Freitag, 17. Juni 2022
842
Denkfabrik. Als ließe sich Denken produzieren. Denken und Produktion sind sich feind.
Sonntag, 5. Juni 2022
841
Mit zunehmendem Alter wird wichtiger, was uns zuträglich ist. Unwichtiger weil abträglich wird das, wonach uns der Sinn steht.
840
Manchmal muss man in das Falsche einwilligen, um das Notwendige zu ermöglichen.
Mittwoch, 1. Juni 2022
839
München – eine Stadt, die man eigentümlich distanziert annehmen kann. In ihr kann man sein, ohne von ihr zu sein.
Freitag, 20. Mai 2022
838
Die vergangenen Wochen waren weltpolitisch ereignisreich. Russlands Kriegsgeschrei, Russlands Krieg schlägt insbesondere die Staaten der Nordhalbkugel in seinen Bann.
837
Die Arbeit an 2 Thess 2 hat mich in meiner Interpretation noch einmal nachdrücklich geklärt und stabilisiert. Dabei eine Selbstbeobachtung: Je sicherer ich mir meines Denkens und dessen Praxis werde, desto schwächer wird mein Mitteilungs- und Überzeugungsbedürfnis. So etwas wie missionarischen Eifer nehme ich in mir gar nicht mehr wahr.
Ich vermute einen Zusammenhang. Eine Dimension dieses Zusammenhangs könnte sein: Je klarer mir die Struktur meines Denkens vor Augen steht, desto geringer will mir die Wahrscheinlichkeit erscheinen, dass andere je ähnlich denken könnten. Mein Denken ist schlechtweg existenzbedingt. Und so bleiben zuletzt allein Stille und stille Praxis.
Freitag, 13. Mai 2022
836
Mein Unbehagen in der Mikrokultur, in der ich mich lebensgeschichtlich gerade aufhalten muss: Ihre Eigentümlichkeit, ihr Wesensmerkmal ließe sich vielleicht als distanzlose Beziehungslosigkeit beschreiben. Damit fehlen dem menschlichen Miteinander hier gerade jene zwei Eigenschaften, die gegeben sein müssen, wenn so etwas wie soziales Wohlbefinden werden soll.
835
Bei Welzer einen schlichten aber folgenreichen Satz entdeckt, der wiedergibt, was ich an mir selbst beobachte: „Wissenschaft hat mich nur so lange interessiert, wie ich auf der Suche nach einer Antwort auf eine Frage war“. Wozu also noch Wissenschaft, wenn die Frage beantwortet ist? Wozu Wissenschaft, wenn sie für mich bloß noch blutleere Funktion sein kann?
Randbemerkung zu Welzers Versuch zu einer Kultur des Aufhörens: Es will mir so scheinen, als liege Welzers Interesse am Aufhören darin, dass er durch Aufhören Raum schaffen möchte für Neues, Anderes. Welzers Aufhören ist also nicht zweckfrei. Damit bleibt es letztlich im Schema der modernen Rastlosigkeit.
Samstag, 23. April 2022
834
Wie immer, so habe ich auch meinen Text zu 2 Thess 2 schon im Vorfeld der Publikation einigen Freundinnen und Freunden zugeschickt. Ihre Rückfragen und Anmerkungen, auch die dadurch angestoßenen Diskussionen helfen mir immer sehr. Vorhin habe ich die kritische und ermutigende E-Mail eines Freundes beantwortet. Was ich in meiner Reaktion formuliert habe, kann ich auszugsweise hier hinterlegen, weil sich darin – ohne, dass man Hintergründe und Details kennen müsste – einige wichtige Grundlinien meines Denkens zumindest andeuten.
Freitag, 15. April 2022
833
Karfreitag. Noch einmal drängt sich die mich unablässig begleitende Frage nach einem fragmentarischen Leben in den Vordergrund (siehe Nr. 746, 790, 811). Was fragmentarisches Leben nicht sein kann, nicht sein darf: der verzweifelte Versuch, ein Ganzes zusammenzustückeln, der defaitistische Rückzug in das Fragment einer asketischen Identität, der immer flüchtige Sprung zwischen den Fragmenten.
Fragmentarisch leben meint wohl vor allem: die Nicht-Ganzheit der Existenz praktisch anerkennen, der Nicht-Identität aller und aller einzelnen Existenzfragmente praktisch standhalten. Konkreter, positiver kann ich es noch nicht fassen.