Seiten

Dienstag, 16. Juli 2024

1037

Vor einigen Tagen das Attentat auf Donald Trump. Trump selbst wird nur leicht verletzt. Im Fokus der nachträglichen Aufarbeitung des Ereignisses steht auch eine leichte Kopfbewegung Trumps unmittelbar vor dem Schuss. Die Bewegung – Trump hatte seinen Blick in diesem Augenblick wohl auf eine Anzeigetafel richten wollen – rettet dem US-Präsidentschaftskandidaten das Leben.

Montag, 15. Juli 2024

1036

Zu Nr. 1034: Das Christentum selbst ist keine (notwendige) Bedingung der Möglichkeit der Ungültigkeitsinterpretation. Es steht dieser Interpretation eher im Wege. Möglich ist allerdings, dass die Deutungsarbeit an zwei christlichen Bildern eine Atmosphäre stiftet, in der die Annäherung an das messianische als ob nicht zumindest erleichtert wird: unmittelbar die Arbeit am Bild des Kreuzes, wenn und insofern sie das Ende der Gottesrepräsentation im Wirklichen vorbereitet, mittelbar die Arbeit am Bild der Auferstehung, wenn und insofern sie die Hoffnungen auf eine heilende Gottesrepräsentation im Wirklichen überdehnt und die Hoffenden damit zuletzt in die Entzauberung hineintreibt.

Donnerstag, 11. Juli 2024

1035

Meine Erkenntnis richtet sich sowohl gegen meine Natur als auch gegen meine Prägung. Nun ist es leicht, diese Erkenntnis zu haben in Zeiten, in denen die Lebensbedingungen die Bedürfnisse von Natur und Prägung halbwegs befriedigen. Schwer wird es erst dann, wenn diese Befriedigung fehlt oder ausbleibt. Erst dann muss sich tatsächlich bewähren, was ich erkannt habe. Das Erkannte bewährt sich, wenn es mir gelingt, mit seiner Hilfe den Vergegenwärtigungsdruck, dem mich meine Natur und meine Prägung aussetzen, zu lösen, zumindest zu moderieren.

Mittwoch, 10. Juli 2024

1034

Einige meiner stillen Überlegungen der vergangenen Wochen haben mich hier und da zum Streit zwischen Barth und Brunner zurückgeführt. Mich beschäftigt nach wie vor und immer wieder die Vermittelbarkeit des messianischen als ob nicht. Mich beschäftigen damit gerade auch die Bedingungen der Möglichkeit des als ob nicht überhaupt. Unter welchen Voraussetzungen wird Ungültigkeitsinterpretation allererst möglich (siehe u.a. Nr. 262, 326)?

Dienstag, 9. Juli 2024

1033

In der Theologie des Christentums setzt sich fort, was sich auch in der Theologie des Judentums schon beobachten lässt: eine Sakralisierung des Ertrotzten. Herausragend und folgenschwer ist die Heiligsprechung des Gesetzes (siehe auch Nr. 838).

Mittwoch, 26. Juni 2024

1032

Social Media: Verlust der Wirklichkeitsdistanz durch Hingabe an das Alltägliche. Überzeichnung, Verzerrung, Überdehnung des Banalen und Belanglosen. Gleichgültigkeit und Gleichwertigkeit des Nichtigen. Purer, vollkommender Nihilismus.

1031

Was Tradition wird, hat seine Substanz längst verloren.

1030

Der nachwachsenden Generation ist eigentümlich, dass sie keiner Großerzählung mehr folgt. Sie folgt unzähligen zufälligen, fragmentierten, unverbundenen Kleinerzählungen. Dabei ist sie sich des Verlustes nicht mehr bewusst, verspürt keine Trauer, keine Wehmut. Ihr scheint nichts zu fehlen.
Was den Kleinerzählungen gemeinsam ist, ist die Tendenz zur Unterkomplexität, zugleich zur Überzeichnung und Dramatisierung. Das macht die nachwachsende Generation neu und anders anfällig für Radikalisierungen.

1029

Anlässlich aktueller Debatten: Die deutsche Idee des Staatsbürgers in Uniform, man muss es vielleicht einmal so sagen, ist (neben anderen) eine lebensverlängernde Maßnahme für eine sterbende okzidentale Großerzählung. Der Versuch alter weißer Menschen, ein universales und ökumenisches Ideal zu retten.

1028

Die Erzählungen, denen wir folgen, einen uns nicht. Sie halten uns vielmehr auf Distanz. Oder besser: Sie fügen der Differenz der Natur die Differenz der Sprache als Ausdruck der Differenz der Bewusstheiten hinzu.