Die überraschende und radikale Pointe des Gleichnisses hat der Ausleger – eher ein unbedarfter Nacherzähler – übersehen, vielleicht sogar ignoriert. Von Gott, von der Gotteswirklichkeit gefunden wird der, der sich auf das einlässt, was in deutschsprachigen Bibeln üblicherweise und moralisierend missverständlich mit Buße übersetzt wird: auf eine metanoia, auf einen Prozess der fundamentalen Änderung des eigenen Sinnes, der radikalen Uminterpretation von Wirklichkeit und eigener Existenz. Praxis inbegriffen. Gefunden werden ist also nicht weniger als eine Revolution der Denkungs- und Lebensart.
danke für diese Beobachtung.
AntwortenLöschenIch musste beim Lesen mehrfach nicken, weil du genau das benennst, was in vielen Predigten passiert:
Man erzählt den Text nach, aber man liest ihn nicht.
Man bestätigt eine vertraute Schablone, statt sich der Zumutung des Gleichnisses auszusetzen.
Gerade bei Lukas 15 erlebe ich das ständig:
Die Pointe wird weichgekocht zu „Gott sucht dich, alles wird gut“.
Und damit bleibt die eigentliche Dynamik der metanoia auf der Strecke – diese radikale Neuinterpretation der eigenen Wirklichkeit, die du so treffend beschreibst.
Ich finde es schade, wie viel Potenzial dabei verloren geht.
Viele hoffen darauf, „gefunden zu werden“, statt zu entdecken, dass das Gefundenwerden selbst ein Prozess des Findens ist – ein neues Sehen, ein neues Deuten, ein neues Leben.
Nicht moralisch, sondern existenziell.
Deine Beobachtung bringt das präzise auf den Punkt.
Danke dafür.
Ich freue mich auf mehr – und auf echten Austausch.
Grüße
Reinhold