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Donnerstag, 12. September 2024

1052

Es gibt Hoffnungsverwirklichungen, über die man sich kaum noch freuen, für die man kaum noch Dankbarkeit empfinden kann. Weil die Kosten des Wartens so hoch sind.

Sonntag, 18. August 2024

1051

Kürzlich hat sich das MCU mit Deadpool & Wolverine um eine nächste Erzählung erweitert. Der Film ist in jeder Hinsicht drüber. Vielleicht – so meine stille Hoffnung – ein strategisches Zuviel. Wir werden sehen.
Intellektuell anregend an Deadpool & Wolverine ist wohl allein die Einführung der Figur des Ankerwesens (anchor being). Ankerwesen sichern das Gefüge von Raum und Zeit, stabilisieren Existenz überhaupt. Ohne Ankerwesen sterben ganze Welten.
Ein durchaus spannender Gedanke, wenn man ihn in geeigneter Weise symbolisch wendet. So lassen sich Ankerwesen als Symbol durchaus auch messianisch interpretieren. Der Begriff symbolisiert dann das, was ich selbst mit dem Begriff des messianischen Subjekts anzudeuten versuche. Messianische Subjekte sind Ankerwesen der Ungültigkeit in kleinen Wirklichkeiten unmittelbarer Gültigkeiten. Paradox stabilisieren sie nicht die Existenz der Welt an sich, aber die Existenz ihrer jeweiligen Mikrowelten. Ohne sie treiben die Gültigkeiten dieser Welten auseinander und zerfallen.

Samstag, 17. August 2024

1050

Das postmoderne Denken, sofern man überhaupt von einem solchen sprechen kann, nähert sich dem Wirklichen an, ist dem Wirklichen näher und gemäßer als etwa das metaphysische oder das religiöse Denken. Dem postmodernen Denken gerät dabei allerdings aus dem Blick, welchen Nutzen Denken für uns haben soll und muss, zu welchem Zweck wir überhaupt denken: Denken zielt auf Selbstbefestigung im Wirklichen. Nicht zufällig provoziert daher das postmoderne unmittelbar auch das regressive Denken.

Freitag, 16. August 2024

1049

Das Viele übersehen, um das Eine wahrzunehmen, was nottut.

Dienstag, 13. August 2024

1048

Einer der Geburtsfehler des Christentums: die nahezu unmerkliche Verkehrung einer weltfreien in eine weltgebundene Weltlichkeit.

1047

Eines der Motive aus der Jubiläumskampagne der Diakonie: „Manchmal heisst Liebe, einfach da zu sein.“ Die messianische Wendung dieses Motivs ließe sich wohl so fassen: Liebe heißt auch Dasein.

Samstag, 3. August 2024

1046

Im messianischen Sinne mündig sein meint auch: auswählen können, auf welches Wirkliche wir uns einlassen, welchem Wirklichen wir gestatten, Macht zu haben über uns – das Wirkliche sei geistiger, sinnlicher oder materieller Natur.

Dienstag, 30. Juli 2024

1045

Seit einigen Wochen beobachte ich hier und da einen neuen Stern am Literatur- und Theoriehimmel: Lea Ypi. In ihrem aktuellen Buch rekonstruiert sie Kants Architektonik der Vernunft, öffentlich wahrgenommen wurde sie aber vor zwei Jahren vor allem mit der autobiographischen Analyse ihrer Kindheit und Jugend im poststalinistischen Albanien. Als (politische) Philosophin steht Ypi für das, was sie selbst moralischen Sozialismus nennt – für einen kapitalismuskritischen und radikaldemokratischen Versuch, aus der theoretischen Verschlingung von Kant und Marx ein neues gesellschaftliches und politisches Ideal zu gewinnen.

Montag, 29. Juli 2024

1044

Man sagt, Religion diene der Kontingenzbewältigung. Wir haben Religion, wir sind religiös zum Zwecke der Handhabung von Offenheit und Ungewissheit des Wirklichen. Das gilt aber wohl für alle Erzählungen, die wir vom Wirklichen und über das Wirkliche erfinden oder ausfindig machen. Vielleicht kann man sogar sagen: Sprache überhaupt ist Kontingenzbewältigungspraxis. Sprache ist das Instrument unseres Bewusstseins zur Bewältigung der ängstigenden Ohnmacht inmitten einer als kontingent wahrgenommenen Wirklichkeit.

Mittwoch, 24. Juli 2024

1043

Am vergangenen Sonntagabend in Köln, zwischen Hauptbahnhof und Heumarkt, der inzwischen gewohnte Weg durch die Altstadt. An diesem Abend ist alles ein wenig anders: Ich muss durch die menschlichen, hier und da allzumenschlichen Residuen der ColognePride 2024 hindurch.