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Sonntag, 11. Januar 2026

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Mein nächstes größeres Projekt: die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Phänomen moralischer Verletzungen im militärischen Kontext, mit dem Stand der klinisch-psychologischen Forschung und vor allem mit den präventiven Bemühungen um die Entwicklung von so etwas wie moralischer Resilienz.
Schon die ersten Lektüren sind – zumindest im Blick auf mein eigenes Fachgebiet – ähnlich ernüchternd wie die Lektüren der vergangenen Monate überhaupt. Gegen alles, was wir heute wissen können, wird hier nach wie vor und noch einmal neu auf überkommene Konzepte wie Charakter und Tugend gesetzt. Und dies weniger in der eher nüchternen stoischen, sondern vielmehr in der substantialistischen oder essentialistischen aristotelischen Variante – dies nicht selten verborgen hinter der Maske moderner positiver Psychologie. Starke repräsentativ-normative Begriffe üben offenbar gerade auch in militärischen Kreisen nach wie vor eine gewisse Anziehungskraft aus. Auch gegen den militärischen Aristotelismus hilft allein unermüdliche, geradezu protestantische Aufklärung.

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