Sonntag, 25. Januar 2026
1195
Nun habe ich mir einen Eindruck verschafft vom Störungsbild der Moralischen Verletzung vor allem im militärischen Kontext, vor diesem Hintergrund dann mein Verständnis moralischer Resilienz näher bestimmt und die grundsätzliche Vorstellung eines entsprechenden moralphilosophischen, näherhin ethischen Beitrages entwickelt. Dabei lag es nahe, weiter zu konkretisieren, was ich selbst im Raum des Begriffs Ethik eigentlich vertrete.
Sonntag, 11. Januar 2026
1194
Hätte Luther geahnt, dass seine gegen den Gott an sich gerichtete Behauptung eines Gottes für mich, sein gegen den Gott des Allgemeinen postulierter Gott des Einzelnen auf verschlungenen ideen- und kulturgeschichtlichen Wegen mitverantwortlich sein würde für die spätmoderne Eskalation der Selbstbehauptungen – er hätte spätestens 1521 vor dem Reichstag zu Worms widerrufen (siehe Nr. 279).
1193
Mein nächstes größeres Projekt: die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Phänomen moralischer Verletzungen im militärischen Kontext, mit dem Stand der klinisch-psychologischen Forschung und vor allem mit den präventiven Bemühungen um die Entwicklung von so etwas wie moralischer Resilienz.
Schon die ersten Lektüren sind – zumindest im Blick auf mein eigenes Fachgebiet – ähnlich ernüchternd wie die Lektüren der vergangenen Monate überhaupt. Gegen alles, was wir heute wissen können, wird hier nach wie vor und noch einmal neu auf überkommene Konzepte wie Charakter und Tugend gesetzt. Und dies weniger in der eher nüchternen stoischen, sondern vielmehr in der substantialistischen oder essentialistischen aristotelischen Variante – dies nicht selten verborgen hinter der Maske moderner positiver Psychologie. Starke repräsentativ-normative Begriffe üben offenbar gerade auch in militärischen Kreisen nach wie vor eine gewisse Anziehungskraft aus. Auch gegen den militärischen Aristotelismus hilft allein unermüdliche, geradezu protestantische Aufklärung.
Schon die ersten Lektüren sind – zumindest im Blick auf mein eigenes Fachgebiet – ähnlich ernüchternd wie die Lektüren der vergangenen Monate überhaupt. Gegen alles, was wir heute wissen können, wird hier nach wie vor und noch einmal neu auf überkommene Konzepte wie Charakter und Tugend gesetzt. Und dies weniger in der eher nüchternen stoischen, sondern vielmehr in der substantialistischen oder essentialistischen aristotelischen Variante – dies nicht selten verborgen hinter der Maske moderner positiver Psychologie. Starke repräsentativ-normative Begriffe üben offenbar gerade auch in militärischen Kreisen nach wie vor eine gewisse Anziehungskraft aus. Auch gegen den militärischen Aristotelismus hilft allein unermüdliche, geradezu protestantische Aufklärung.
Dienstag, 6. Januar 2026
1192
Habe mich zuletzt ein wenig im moralpsychologischen Diskurs orientiert, mir auch einen groben Überblick verschafft über das, was man mittlerweile unter dem Dach einer empirischen Ethik oder einer experimentellen Philosophie betreibt.
Sonntag, 4. Januar 2026
1191
Gedanken zum Begriff einer enthaltsamen Ethik (Nr. 1165): Wenn ich überhaupt etwas vertrete, das Ethik genannt werden kann (unter Gültigkeitsbedingungen kann ich dieser Erwartung kaum entgehen), dann lässt sich als Proprium dieser Ethik vielleicht angeben, dass hier die Frage danach, was ich tun soll, unbeantwortet bleibt. Ethik kann und darf kein Sollen setzen. Ethik ist vielmehr Fundamentalkritik allen Sollens.
Bekanntlich versteht Niklas Luhmann Ethik als Reflexionstheorie der Moral. Ich selbst setze grundsätzlicher und breiter an. Ich verstehe Ethik als kritischen Vorbehalt gegenüber jedem beliebigen Sollen. Gegenüber jedem Sollen, das mir von außen zugemutet wird, aber auch gegenüber jedem Sollen, das in mir selbst wirksam oder mächtig ist. Man könnte auch sagen: Ethik ist die Distanzierung von allen inneren und äußeren normativen Geltungsansprüchen, die mit der Erwartung des Gehorsams auftreten. Absicht dieser Distanznahme ist die Beförderung eines Zustandes relativer Unabhängigkeit als Bedingung der Möglichkeit nicht dessen, was ich im Allgemeinen oder im Besonderen tun soll, sondern dessen, was ich angesichts des Wirklichen hier und jetzt tun will.