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Dienstag, 6. Januar 2026

1192

Habe mich zuletzt ein wenig im moralpsychologischen Diskurs orientiert, mir auch einen groben Überblick verschafft über das, was man mittlerweile unter dem Dach einer empirischen Ethik oder einer experimentellen Philosophie betreibt.

Sonntag, 4. Januar 2026

1191

Gedanken zum Begriff einer enthaltsamen Ethik (Nr. 1165): Wenn ich überhaupt etwas vertrete, das Ethik genannt werden kann (unter Gültigkeitsbedingungen kann ich dieser Erwartung kaum entgehen), dann lässt sich als Proprium dieser Ethik vielleicht angeben, dass hier die Frage danach, was ich tun soll, unbeantwortet bleibt. Ethik kann und darf kein Sollen setzen. Ethik ist vielmehr Fundamentalkritik allen Sollens.
Bekanntlich versteht Niklas Luhmann Ethik als Reflexionstheorie der Moral. Ich selbst setze grundsätzlicher und breiter an. Ich verstehe Ethik als kritischen Vorbehalt gegenüber jedem beliebigen Sollen. Gegenüber jedem Sollen, das mir von außen zugemutet wird, aber auch gegenüber jedem Sollen, das in mir selbst wirksam oder mächtig ist. Man könnte auch sagen: Ethik ist die Distanzierung von allen inneren und äußeren normativen Geltungsansprüchen, die mit der Erwartung des Gehorsams auftreten. Absicht dieser Distanznahme ist die Beförderung eines Zustandes relativer Unabhängigkeit als Bedingung der Möglichkeit nicht dessen, was ich im Allgemeinen oder im Besonderen tun soll, sondern dessen, was ich angesichts des Wirklichen hier und jetzt tun will.