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Dienstag, 23. Dezember 2025

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Mit Prinzipien, Normen, Werten verschaffen wir uns Orientierung, wir begrenzen uns aber immer auch in unseren Möglichkeiten. Moral und Recht haben ihren Zweck und ihre Zeit. Wenn sie uns jedoch hilflos machen in der Auseinandersetzung mit dem, was wir (innerwirklich) das Böse nennen können, spätestens dann erweisen sie sich für die Handhabung des Wirklichen als ungeeignet.
Moralisten und Juristen verweisen gerne darauf, dass wir uns unglaubwürdig machen würden, wenn wir in der Konfrontation mit dem Bösen Moral und Recht fahren ließen, und dass dann geradezu alles verloren wäre. In dieser Warnung verbirgt sich auch eine irreführende säkular-religiöse Hoffnung: die Hoffnung nämlich, dass Moral- und Rechtstreue zuletzt durch den Sieg des Guten belohnt würden. Diese Hoffnung war schon immer falsch, und sie kann heute angesichts dessen, was wir mittlerweile über das Wirkliche wissen, nicht einmal mehr gute Gründe anführen.

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