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Sonntag, 15. Dezember 2024

1071

Jene, die nicht glauben können, mit Hilfe der ihnen verfügbaren und vertrauten Mittel des Unglaubens zu dem zu bewegen, was allein der Glaube eröffnet und ermöglicht – das ist die Kunst messianischer Führung. Es ist die Kunst der Führung durch Gleichnis.

1070

Sesshaftigkeit als Haltung ist der Versuch, sich dem Wirklichen nicht zu stellen.

1069

Jede idealistische Erzählung ist, wie jedes Märchen auch, noch nicht einmal im Kern wahr.

1068

Zu Nr. 1018: Die Antwort auf die Frage, ob sich Fügung fügen lässt, ist immer schon gegeben. Sie lautet: Ja und Nein. Und weder Ja noch Nein sind verfügbar. Alles, was wir ausrichten, ist bereits für uns getan (Jes 26,12) – unabhängig davon, ob wir tatsächlich wollen, was wir da ausgerichtet (oder angerichtet) haben. Am Ende muss sich unser Wille immer dem sich Fügenden fügen. Denn das, was sich fügt, ist nie das, was unser fügender Wille vor Augen hatte.

Samstag, 7. Dezember 2024

1067

Dem Christentum gerade auch in seiner protestantischen Gestalt wohnt eine radikale Forderung inne, die sich regelrecht als lebensfeindlich erweisen kann: die radikale Forderung nach Identität von Erkenntnis und Lebensweise. Dem stellt sich die anders-radikale messianische Forderung entgegen: die Forderung nach fiktiver Annullierung jeder beliebigen Erkenntnis und jeder beliebigen Lebensweise. Unter dieser Annullierung ist grundsätzlich jede Erkenntnis und jede Lebensweise möglich, solange sie zugleich fiktiv als annulliert angeschaut und gehandhabt wird. Messianisch darf ich also sein und bleiben, wer und wie ich bin (was auch immer das meint), bleibe aber immer zugleich auch unabhängig von mir selbst. Und es ist diese Unabhängigkeit, die den Raum für das eröffnet, worauf die messianische Forderung innerwirklich hinaus will: Liebe.

1066

Die okzidentale Kultur auch in ihren modernen Funktionalisierungen und Ausdifferenzierungen gründet in der Idee der Repräsentation. In ernsthafte Schwierigkeiten gerät diese Kultur erst dann, wenn niemand mehr repräsentieren will oder kann. In gerade diese kommende Wirklichkeit rutschen wir derzeit hinein.

Mittwoch, 4. Dezember 2024

1065

Wenn wir fordern, andere mögen unsere Interpretation des Wirklichen teilen, dann müssen wir uns immer in Erinnerung rufen, dass wir so und nicht anders interpretieren, auch weil wir so sind wie wir sind. Andere sind anders und interpretieren entsprechend anders. Die Annahme also, andere wären in der Lage, so zu interpretieren wie wir selbst, gründet stets in einem Irrtum. Und die Annahme, man wäre sich mit anderen in irgendeiner Interpretation einig, ist unter Umständen eine geradezu gefährliche Illusion.

Dienstag, 3. Dezember 2024

Mittwoch, 27. November 2024

1063

Gladiator II. Die tapfere Annahme, die heroische Verheißung des Helden vor dem Kampf: We are not where death is. Where death is, we are not.
Eindrückliches Symbol des verzweifelten aber verfehlten und folgenschweren Überlebenskampfes der Gattung Mensch.
Dagegen die messianische Revolution der Denkungsart, die Revolution von Sein und Nicht-Sein, von Leben und Tod: Wo wir sind, da ist Tod. Wo wir nicht sind, da ist Leben.
Daher die paulinische Fiktion: Lebt, als ob ihr nicht lebtet. Sterbt, als ob ihr nicht stürbet.

1062

Demokratie muss man aushalten wollen. Und können.