Samstag, 7. September 2019
527
Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen Unzufriedenheit und Illusionslosigkeit. Man kann dankbar und nüchtern zugleich sein.
526
Als Menschen glauben wir von Natur aus besonders gerne unseren eigenen Erzählungen. Seinen eigenen Erzählungen misstrauen zu lernen – das ist der Anfang der Weisheit.
525
Menschen mit peripherer sozialer und moralischer Wahrnehmung scheinen seltener zu werden. Die Perspektiven selbst jener Menschen, die die Wirklichkeit durch soziale oder moralische Filter hindurch wahrnehmen, scheinen sich zunehmend zu verengen.
524
Bildung ist immer auch eine Form der Kontrolle.
523
Wir wissen heute, dass unsere interpretierenden Weltzugänge nichts anderes sind als nichtige Sprachspiele. Daraus folgt aber nicht, dass wir dieser Sprachspiele nicht mehr bedürfen. Wir können nicht anders, als diese Spiele zu spielen. Allerdings: Unsere Sprachspiele als Gültigkeitsspiele sind an ihr Ende gekommen. Auch alle Gültigkeitsspiele, die wir im Übergang in zweiter Naivität (Paul Ricœur) gespielt haben. Die Frage lautet also: Wie künftig noch spielen?
522
Es gab und gibt gute Gründe, den substantialen Begriff der Schuld durch den kausal-funktionalen Begriff der Verantwortung zu ersetzen.
521
Man stellt sich der Wirklichkeit – oder man verfällt ihr. Tertium non datur.
520
Jeder Universalismus, selbst jeder partikulare Universalismus, wird geboren auch aus der Verzweiflung am Anderssein des Anderen, aus der Unerträglichkeit des Andersseins des Anderen.
519
Allein in der Erinnerung und im Entwurf können wir den Fortgang des Wirklichen auf- und anhalten. Erinnerung und Entwurf sind unsere Zuflucht vor der Flüchtigkeit.
Im Hier und Jetzt sein meint dagegen, sich der Flüchtigkeit alles Gegenwärtigen zu stellen und in dieser Flüchtigkeit gewissermaßen zu verharren, auszuharren.
Im Hier und Jetzt sein meint dagegen, sich der Flüchtigkeit alles Gegenwärtigen zu stellen und in dieser Flüchtigkeit gewissermaßen zu verharren, auszuharren.