Seiten

Samstag, 7. September 2019

528

Jedes Ägypten hat seine Fleischtöpfe.

527

Es gibt einen qualitativen Unterschied zwischen Unzufriedenheit und Illusionslosigkeit. Man kann dankbar und nüchtern zugleich sein.

526

Als Menschen glauben wir von Natur aus besonders gerne unseren eigenen Erzählungen. Seinen eigenen Erzählungen misstrauen zu lernen – das ist der Anfang der Weisheit.

525

Menschen mit peripherer sozialer und moralischer Wahrnehmung scheinen seltener zu werden. Die Perspektiven selbst jener Menschen, die die Wirklichkeit durch soziale oder moralische Filter hindurch wahrnehmen, scheinen sich zunehmend zu verengen.

524

Bildung ist immer auch eine Form der Kontrolle.

523

Wir wissen heute, dass unsere interpretierenden Weltzugänge nichts anderes sind als nichtige Sprachspiele. Daraus folgt aber nicht, dass wir dieser Sprachspiele nicht mehr bedürfen. Wir können nicht anders, als diese Spiele zu spielen. Allerdings: Unsere Sprachspiele als Gültigkeitsspiele sind an ihr Ende gekommen. Auch alle Gültigkeitsspiele, die wir im Übergang in zweiter Naivität (Paul Ricœur) gespielt haben. Die Frage lautet also: Wie künftig noch spielen?

522

Es gab und gibt gute Gründe, den substantialen Begriff der Schuld durch den kausal-funktionalen Begriff der Verantwortung zu ersetzen.

521

Man stellt sich der Wirklichkeit – oder man verfällt ihr. Tertium non datur.

520

Jeder Universalismus, selbst jeder partikulare Universalismus, wird geboren auch aus der Verzweiflung am Anderssein des Anderen, aus der Unerträglichkeit des Andersseins des Anderen.

519

Allein in der Erinnerung und im Entwurf können wir den Fortgang des Wirklichen auf- und anhalten. Erinnerung und Entwurf sind unsere Zuflucht vor der Flüchtigkeit.
Im Hier und Jetzt sein meint dagegen, sich der Flüchtigkeit alles Gegenwärtigen zu stellen und in dieser Flüchtigkeit gewissermaßen zu verharren, auszuharren.