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Mittwoch, 17. Juni 2026

1213

Zu Nr. 1211: Ethik im üblichen Verstande des Begriffs ist aus der Perspektive meines eigenen Denkens immer eine Form der Wiederverzauberung des Wirklichen. So gesehen kann ich selbst keine Ethik entwickeln oder vertreten, so gesehen bin ich dankbar, wenn mein Name und meine Person nicht mit irgendeiner Ethik in Verbindung gebracht werden.
Wenn mir nun dessen ungeachtet eine Ethik abverlangt wird, so nötigt man mich damit zu einem durchaus spannenden, spannungsreichen Entgegenkommen. Nach reiflicher Überlegung, erscheint mir dieses Entgegenkommen unter drei Bedingungen als noch zumutbar: Zunächst begreife ich Ethik (negativ) als kritisch-distanzierende Reflexion aller möglichen Sollensansprüche. Dann gebe ich Ethik die Form der Verantwortung im Sinne Max Webers, setze dabei zugleich Webers Wirklichkeitsverständnis voraus. Und schließlich fülle ich Ethik mit der Substanz eines dekonstruktiven Messianismus im Sinne Jacques Derridas, aktiviere und reguliere alles Wollen und Handeln also durch ein immer im Kommen Begriffenes, durch ein nie und nirgendwo Gegenwärtiges.
Zugegeben: Diese Bedingungen befriedigen das Bedürfnis, das sich in Ethik Ausdruck verschafft, nur unzureichend. Mit ihnen gehe ich jedoch an die Grenze der Redlichkeit. Und natürlich auch an die Grenze dessen, was mir gerade noch verantwortbar erscheint.

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